Turbo-Abi
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In vielen Bundesländern, besonders deutlich aber in Niedersachsen, gibt es massive Proteste gegen die übereilte und schlecht vorbereitete Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die zu hohe Stundenzahl in den Gymnasien, besonders in den Klassenstufen 9 und 10. Zusätzliche Hausarbeiten und für einige Schülerinnen und Schüler auch noch lange Fahrtzeiten lassen häufig 9 - 10 Arbeitsstunden pro Tag entstehen. Arbeitsgemeinschaften, freiwillige Schülerprojekte oder das Lernen für Klausuren sind dabei noch nicht berücksichtigt und müssten noch hinzugerechnet werden.
Die Situation an den Gymnasien hat sich zusätzlich durch hektische Maßnahmen der Niedersächsischen Landesregierung verschärft. So wurden an den Gymnasien in den letzten Jahren die Schülerzahlen in den Klassen erhöht, die Anforderungen des Abiturs verschärft und Vergleichsarbeiten eingeführt. Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar.
Der Niedersächsische SPD fordert:
- für kurzfristige Entlastung durch Senkung der Klassenfrequenz auf 26 Schülerinnen und Schüler in der Klassenstufe 10 der Gymnasien zu sorgen. Diese Klassen gehören nach dem derzeitigen Konzept in ihrem Anforderungsprofil zur Oberstufe und sind dementsprechend so zu behandeln wie zuvor die Klassenstufe 11. Darüber hinaus soll die Senkung der Klassenfrequenzen in allen anderen Klassenstufen folgen.
- die Förderung der in der Umstellungsphase befindlichen Klassenstufen durch zusätzliche Lehrerstunden fortzuführen und zu ergänzen. Diese Lehrerstunden sollten vorrangig nicht als weitere Zusatzstunden, sondern zur Unterstützung von Differenzierungsmaßnahmen ausgewiesen werden.
- umgehend ein Investitionsprogramm zur Unterstützung der Schulträger bei der Einrichtung eines echten Ganztagsbetriebs in den Gymnasien aufzulegen.
Begründung:
Es häufen sich Klagen und Initiativen, den Druck infolge der überhasteten Umsetzung des Abiturs nach 12 Jahren in Niedersachsen zu verringern und die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten. Infolge der Stundentafel ist durch die Einführung des Abiturs nach 12 Jahren jedes Gymnasium faktisch zur Ganztagsschule geworden, aber die wenigsten Gymnasien haben dafür eine Ganztagsausstattung! Es mangelt an Personal, an Lehrerinnen und Lehrern, an Ruheräumen oder an Mensen. Sogar die Schulinspektionen stellen häufig eine gedrängte Raumsituation in den Klassen der Gymnasien oder in den Pausen- und Aufenthaltsräumen fest. Auch die Kommunen stehen bei der Lösung der räumlichen Probleme vor einer Aufgabe, die von ihnen allein nicht zu bewältigenden ist. Die Lern- und Lehrsituation in Klassen mit 32 Schülerinnen und Schülern auf engstem Raum ist unerträglich geworden. Unterschiedliche Lehrmethoden wie z.B. Gruppenunterricht sind zum Teil gar nicht mehr möglich.
Als dringendste Maßnahme sind möglichst kurzfristig die Klassenfrequenzen insbesondere in dem mehrfach betroffenen Jahrgang 10 ab dem Schuljahr 2008/09 auf 26 zu senken.
Zusätzlich ist in den besonders betroffenen Jahrgängen eine differenzierte Förderung von Schülerinnen und Schülern vorzunehmen, die jedoch nicht in zusätzlichen Unterrichtsstunden münden darf, sondern in Doppelbesetzungen des Unterrichts und daher kleineren Lerngruppen besser aufgefangen werden sollte.
Um die Kommunen bei ihrer Aufgabe der Verbesserung der räumlichen Situation an den Gymnasien zu unterstützen, ist ein Investitionsprogramm für die Einrichtung von Ganztagsschulen dringend erforderlich. Es darf keine „Ganztagsschulen "light“ geben und erst recht keine faktischen Ganztagsschulen ohne eine entsprechende Ganztagsausstattung. Dazu gehört, dass das Land die Schulen und die Schulträger bei den Investitionen für bauliche Maßnahmen unterstützen muss. Ohne finanzielle Unterstützung werden die Kommunen nicht in der Lage sein, eine notwendige Ganztagsausstattung zu gewährleisten. Realistisch betrachtet liegt durch die Einführung des Abiturs nach 12 Jahren und der damit einhergehenden faktischen Einführung der Ganztagsschule in Niedersachsen ein Fall von Konnexität vor, dem die Landesregierung Rechnung zu tragen hat.
Nur mit einem Bündel von konzeptionell abgestimmten Maßnahmen ist es möglich, zum einen kurzfristig die besonders betroffenen Jahrgänge 9 und 10 an den Gymnasien zu entlasten und zum anderen durch ein nachhaltiges Umstellen auf einen echten Ganztagsbetrieb auch für die Gymnasien gleichberechtigte Lern- und Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.

















